Heddesheim, 20. Oktober 2011. In den vergangenen zweieinhalb Jahren habe ich rund drei Dutzend Mal Anfragen von Studenten beantwortet – per email, am Telefon und teilweise wurde ich in der Redaktion besucht. Ein paar Mal habe ich mich aber geweigert – so wie bei dieser Anfrage.
Heute erreicht mich diese email:
Sehr geehrte Blogbetreiber,
mein Name ist XXX, ich bin Journalistikstudentin an der Macromedia Fachhochschule für Medien und Kommunikation.
Im Rahmen eines Forschungsprojektes mit der Fragestellung “Aus welchen Gründen werden politische Blogs geführt und wie werden sie betrieben?”
habe ich Fragen an Blogbetreiber erstellt und würde Sie bitten, die folgenden Fragen innerhalb der nächsten zwei Wochen zu beantworten und mir zurück zu schicken.
Vielen Dank im Voraus.
MfG
XXXFragen:
Warum haben Sie sich dafür entschieden, ein Blog zu erstellen?
Was wollen Sie vermitteln?
Welche Themen beinhaltet Ihr Blog?
Wie oft wird das Blog aktualisiert?
Wie hoch ist der Zeitaufwand?
Wo und wie recherchieren Sie die Informationen für das Blog?
Nach welchen Kriterien wählen Sie die Informationen aus?
Arbeiten Sie alleine an dem Blog oder haben Sie weitere Mitarbeiter?
Wie wichtig ist die Kommentarfunktion für das Blog?
Was bedeutet Ihnen das Feedback der User?
Meine Antwort:
Hallo Frau XXX,
meine Name ist nicht Blogbetreiber und wenn Sie etwas von mir wünschen und mir dazu eine Frist von zwei Wochen vor der vermeintlichen Urlaubszeit setzen, sollten Sie vielleicht darüber nachdenken, ob das die richtige “Ansprache” ist.
Frohe Weihnachten
Hardy Prothmann
P.S. Die Macromedia FH sollte vielleicht ein wenig mehr auf auf ihre Studis aufpassen, sonst bekommt man am Ende noch einen schlechten Eindruck von der Einrichtung.
Nachtrag: Die Studentin ist noch nicht einmal in der Lage BCC zu benutzen.


Lieber Herr Prothmann,
diese Anfrage, die vermutlich (genau weiß ich das nicht) von einer meiner Studentinnen stammt, ist extrem unglücklich gestellt. Ich kann mich nur dafür entschuldigen.
In der Tat sollten unsere Studierenden politische Bloggger befragen. Dafür hatten sie einen Auftrag. So aber natürlich nicht.
Aber ich bitte Sie zu verstehen, dass wir über erwachsene Menschen keine Aufsichtspflicht ausüben können.
Bitte trennen Sie Hochschule von Individualperson.
Gerne lade ich Sie (falls Sie nun noch Interesse haben sollten-:) auch einmal an unsere Hochschule ein. Natürlich mit angemessenen zeitlichen Vorlauf.
Prof. Dr. Andreas Elter
Studiengangleiter Journalistik
macromedia hochschule für medien und kommunikation
Lieber Herr Elter,
danke für Ihren Kommentar.
Selbstverständlich trenne ich Personen und Institutionen ganz allgemein – in diesem Fall aber nicht, weil die Person ihre Anfrage mit der Institution begründet hat.
Selbstverständlich ist die Institution nicht direkt für das Verhalten von erwachsenen Menschen verantwortlich – aber vielleicht ergibt sich hier ein Hinweisbedarf an die Studierenden, wie man gescheiterweise eine Anfrage stellt. Auch bei Profis ist hier ab und an Nachholbedarf erkennbar: “Ich bin von XY” ist eine Formulierung, die mir schon häufiger über den Weg gelaufen ist, verbunden mit der Überzeugung, dass das alles erklärt und zulassen muss…
Aber seis drum, war ja nur als Fingerzeig gemeint.
Eine Einladung nehme ich gerne an.
Schöne Festtage
Hardy Prothmann
Danke! siehe Mailverkehr.
Hinweis an die Studierenden machen wir jetzt nochmal-:)
LG
A.E.