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Geprothmannt: Much ado about journalism?

29. Dezember 2011
Von

Heddesheim/Messina, 29. Dezember 2011. Ob Messina nun wirklich mit Heddesheim vergleichbar ist, bleibt dahingestellt. Aber Shakespeares Komödie, die eigentlich ein Drama ist, findet an diesen Orten und an anderen statt. Es geht um Liebe, Wahrheit, Ansehen, Ehre in dem Stück “Viel Lärm um nichts”. Was Shakespeare vor 500 Jahren erstmals veröffentlichte, ist genial. Denn es wirkt bis heute.

Von Hardy Prothmann

“Viel Lärm um nichts” darf man getrost der kompletten “Yellow-Press” zubilligen. Diese Branche verdient aberwitzige Summen mit schrägen Fotos von Supermarkt-Parkplätzen, Stränden oder nächtlichen Alkoholfahrten, die manchmal auch an einem Tunnelpfeiler enden und dann in einem Blumenmeer zu Grabe getragen werden. Inklusive “exklusiver” Berichterstattung und knallharten Verträgen für die Übertragungsrechte.

Wenn es nicht ganz so tragisch kommt, aber trotzdem tragisch ist, wird nach Krediten gefragt, nach Rolle und Amt und nach dem Verhalten derjenigen, die sich in einer Demokratie Fragen stellen lassen müssen, denn nur da geht das. In einer Demokratie. Fragen stellen, Antworten finden und äußern.

In anderen Ländern ist das nicht so kompliziert – da werden Fragensteller einfach umgebracht. Die Yellow-Press ignoriert das und ergötzt sich trotzdem – denn es geht ja um Macht. Und die war schon immer und ist sexy.

In Deutschland werden Fragensteller nicht erschossen, sondern ökonomisch umgebracht.

Wer sich traut, kritische Fragen zu stellen, fragt vordergründig nach Opfern, tatsächlich wird er selbst eins.

Zumindest galt diese These sehr lange als Realität. Als Realität von Zeitungsverlagen, die niemals den Journalismus über den verlegerischen Gewinn gestellt haben.

Wer Umsatzrenditen von 20+ Prozent als normal erwartet, der will keine “Probleme”, schon gar nicht durch Journalismus.

Der will, dass das Geschäft läuft. Und das war lange ein wenig “Information” zwischen die Anzeigen zu packen. Zu tun, als ob. Ein wenig Lärm um nichts zu machen.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Der Lärm nimmt zu. Die Geschäfte der Verlage gehen schlechter. Und es gibt neue Angebote – das ist für Monopolisten in Zeiten der Marktwirtschaft nur schwer zu “akzeptieren”.

Das meinen und spüren zumindest die, deren “Geschäfte” im “Lärm um nichts” immer gut funktioniert haben.

Denn es gibt eine “unvermutete” Konkurrenz. Ausgerechnet die öffentliche Meinung, derer man sich sonst sicher glaubte, weil man sie als “Gatekeeper” ja “steuern” konnte.

An dieser seit Jahren sich entwickelnden neuen Realität nagen viele Verleger wie Neandertaler an einem fleischlosen Knochen.

Waren es früher Massenmedien, so ist die Realität heute eine der Medienmassen. Monopole brechen auf. Sind von jeder Seite angreifbar. Verletzbar. Vernichtbar. Neu gestaltbar. Die Zukunft des Medienmarktes ist ungewiss. Offen. Undefiniert.

Es gibt viele “Versuche” – oft nur Nadelstiche. Teilweise echte Alternativen.

Dazu gehört mein Projekt hyperlokaler Blogs. Aber auch die Tegernseer Stimme. Oder die Prenzlauer Berg Nachrichten. Oder Regensburg Digital. Oder xtranews. Oder Ruhrbarone. Oder wir-in-nrw. Oder…

Die Frage nach dem “Oder” ist gut, richtig und wichtig. Die genannten Beispiele haben teils eine partielle, teils eine dauerhafte Aufmerksamkeit gewonnen. Warum? Weil Journalismus, also Information und Aufklärung, Kampf um Meinungen, Widerstreit, Schicksale usw., mithin auch “Yellow” geboten worden ist.

Und das ist gut so. Vor allem dann, wenn es um echte Inhalte geht und nicht nur um “Home-Stories”.

Leider gibt es bislang zu wenig “Lärm” um angeblich “nichts”.

Überall in Deutschland ist die Demokratie und die Gesellschaft am Rand der Information gefordert: Medien- und Meinungsmonopole bestimmen die “öffentliche Meinung”. Und überall da, wo es neue Angebote gibt, entwickeln sich Meinungen.

Manchmal mit viel Lärm. Oft tatsächlich nicht. Zumindest jetzt noch nicht.

Der professionelle Journalismus ist in Deutschland ein “theoretisch” sehr hohes Gut. In Wahrheit ist er selten Lärm, sondern eine “Lame Duck”, die in Form von “Bratwürsten”, also klar verabredeten Terminberichten “abgearbeitet” wird.

Als ich Anfang der 2000-er Jahre mit der Frage konfrontiert worden bin, ob “Blogger” dem Journalismus “Konkurrenz machen könnten”, habe ich abgewinkt. Keine Chance (Ausnahmen inbegriffen), war meine Antwort.

Die gilt auch heute. Wer aber als Journalist bloggt und Unternehmer sein will, der hat große Chancen.

Das weiß ich heute, weil ich als Journalist zum “Blogger” geworden bin. Zum Unternehmerjournalistenblogger – grausliges Wort.

Ich bin wie immer Journalist, beliefere ein Medium (Blog), schreibe Texte und mache Audio und Video. Eigentlich alles wie immer.

Der Unterschied: Früher habe ich Rechnungen an Medien gestellt – heute stelle ich Rechnungen an Anzeigenkunden.

Das ist neu, anstrengend, aber erfolgreich.

Und übel – wenn man mitbekommt, wie weitreichend “Anzeigen und Redaktion” bei “Monopolisten” verknüft sind. Das erfordert viel “Feldarbeit” im Anzeigengeschäft.

Darüber muss man viel Lärm machen. Um die “angebliche” “Unabhängigkeit” des “Journalismus”.

Um die tatsächliche Unabhängigkeit des neuen Journalismus.

Um eine Haltung, die eine Haltung ist und keine Deformation.

Um Glaubürdigkeit, um Relevanz, um Inhalt.

Und um eine Arbeit, die grundgesetzlich verandert ist: Informationen einzuholen, zu verarbeiten und zu äußern.

Das unterscheidet “Journalismus” von allen anderen Berufen.

Leider gibt es nur wenige “Unternehmer”, die dieses Feld beackern. Dabei stehen die Chancen gut, weil es keine “Monopole” qua “Definition” gibt.

Einzelne Unternehmer machen das schon – es sind aber noch wenige.

Für 2012 wünsche ich mir mehr davon.

Im Zweifel “mehr Lärm”. Um “etwas”.

More noting, than nothing.

In diesem Sinne.

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